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Johann Adam von Aretin
Gedanken über die Sicherstellung des Unternehmens einer Herausgabe der Quellen-Schriftsteller der deutschen Geschichte im Mittelalter

(veröffentlicht in: Karl Otmar Frhr. von Aretin, Die Beziehungen der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde zu Bayern in den Jahren 1819-24, in: Deutsches Archiv 13, 1957, S. 329-368)

S. 367:

1. Februar 1819

Dieses große Unternehmen scheint mir sehr zweckmäßig eingeleitet, und ist durch den edlen Stifter auf eine solche Art gegründet, daß man wünschen muß, die gänzliche Ausführung auf eine von allen Zufällen unabhängige, der Größe des Werkes und der Würde der Nation angemessene Weise für die Zukunft vollkommen sicher gestellt zu sehen.

Nach den Erfahrungen bei ähnlichen Sammlungen von diesem ausgedehnten Umfange ist es wohl nicht zu viel angenommen, wenn man voraussetzt, daß wenigstens zehen bis zwanzig Jahre verfließen werden, vor das Werk sein Ende erreicht, daß vielleicht mehr, als ein literarisches Lebensalter dazu gehört, und wahrscheinlich nur wenige, welche gegenwärtig Theil daran nehmen wollen, die gänzliche Vollführung erleben möchten.

Wir haben keine perennirende Kongregation, deren Sorge wir das Unternehmen anvertrauen könnten: es möchte auch kaum die Erwartungen erfüllen, wenn man dasselbe in die Hände einer einzelnen gelehrten Anstalt Deutschlands niederlegen wollte. Und doch scheint es mir nur ein fortdauernder Körper zu sein, welche die nöthige Gewähr zu leisten vermag.

Sollte diese Sicherheit nicht n einem förmlichen, sich zweckmäßig erneuernden Verein für die Sache gestimmter deutscher Männer aus allen Teilen unseres Vaterlandes, am besten gefunden werden können? —

Ich würde glauben, daß es gut wäre eine eigene Gesellschaft für diesen Zweck zu stiften, welche theils aus Mitarbeitern, theils aus Beförderern des Unternehmens bestünde, von welchen lezteren wieder Einige durch Mittheilung der Quellen, andere durch Geldbeiträge das Unternehmen unterstüzten, und deren möglichste Ausbreitung auf alle Theile Deutschlands zu erhalten getrachtet werden müßte. Eine solche Vereinigung ||S. 368|| würde die allgemeine Theilnahme am meisten befördern, und nebenbei den Umfang der Subscriptionen sehr erweitern.

Diese Gesellschaft würde durch eine zweckmäßig zu veranstaltende Wahl einen Ausschuß von etwa sechs Mitgliedern benennen, welche unter der Leitung des ersten Gründers die Geschäfte zu führen, und nicht nur das Oekonomische zu besorgen, sondern auch unter vorzüglichster Mitwirkung des gewählten Redakteurs nach eingeholten Gutachten der Mitarbeiter, und mit Berücksichtigung der öffentlichen Stimmen den Plan der Herausgabe definitiv festzusezen, und wenn dieß geschehen, über deßen richtige Ausführung zu wachen und alles anzuwenden hätten, um dieselbe beßtens zu befördern, und im unverrückten Gange zu erhalten.

Zum Size des Ausschusses scheint sich Frankfurt vorzüglich zu eignen, nicht bloß der geographischen Lage wegen, sondern auch weil es der Siz des Bundes Tages ist, unter deßen besonderem Schuz das ganze Unternehmen zu stellen wäre.

Von diesem Zentral-Punkte aus könnten am füglichsten sämmtliche Regierungen Deutschlands auf das Unternehmen aufmerksam gemacht, und zu deßen kräftiger Unterstüzung vermocht werden.

Ohne Theilnahme derselben könnte das Ganze kaum ausgeführt werden, und diese läßt sich weniger durch einzelne Einleitungen erwirken, als durch die vorgeschlagene allgemeine Aufforderung aus dem Mittelpunkte des Bundes, durch die Erhebung der Sache zur National Angelegenheit.

Es ist kaum zu zweifeln, man werde es auf diesem Wege dahin bringen, daß fast alle deutsche Regierungen auf die eine oder andere Weise wirksamen Antheil an der Sache nehmen, und ihre Archive und Bibliotheken öffnen, ihre gelehrten Institute und Vorsteher der Sammlungen zur Mitwirkung aufmuntern, oder durch Geld-Unterstüzung, oder wenigstens häufige Unterzeichnung das Unternehmen zu unterstüzen gerne geneigt sein werden.

Freilich werden hiedurch die Forderungen an das Werk größer, aber man ist auch Größeres zu leisten im Stande, und man könnte auf diese Art dahin gelangen, das Ganze so herzustellen, wie es keine andere Nation aufzuweisen vermag.

Ich überlaße es der weiteren Beurtheilung, in wie ferne diese Gedanken für werth gehalten werden, einer näheren Ausführung und Berathung die Bahn zu öffnen.

Frankfurt, den 1. Februar 1819

A. Freiherr von Aretin

 
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